Kloster Neustift
Das Augustiner Chorherrenstift Neustift, 1142 vom sel. Bischof Hartmann von Brixen in der Nähe des Bischofssitzes gegründet, stellt bis heute - mit einer kurzen Unterbrechung während der bayerischen Herrschaft in Tirol zu Beginn des 19. Jahrhunderts - ein wichtiges spirituelles und kulturelles Zentrum dar. Davon zeugen die verschiedenen Bau- und Kunstwerke aus dem Mittelalter bis in die Moderne, die sich wie Jahresringe um das Zentrum der Anlage, Klosterkirche und Kreuzgang, gelegt haben und heute ein gewachsenes architektonisches Ensemble bilden.

Der feierlich gestalteten Liturgie kommt seit den Anfängen große Bedeutung zu, wie kostbare Handschriften aus dem späten Mittelalter belegen. Choralbücher, Musikarchivalien sowie die von 1390 bis in die Neuzeit nachweisbaren geistlichen Spiele dokumentieren außerdem den hohen Stellenwert der Musik im Kloster.
Schon früh übernahmen die Augustiner Chorherren Aufgaben in der Seelsorge, zuerst in der Nähe des Klosters, später auch an weiter entfernten Orten. Heute betreut Neustift 23 Pfarreien in Süd- und Osttirol.
Zur Förderung des Nachwuchses bestand eine stiftsinterne Schule, die in der Neuzeit zu einem Zentrum der Wissenschaft wurde. Beredtes Zeugnis hierfür legt der 1772 errichtete Bibliothekssaal mit über 98.000 Bänden ab. Bis zum heutigen Tag wird großer Wert auf Bildung gelegt: Über 80 Buben werden in der Außenstelle der staatlichen Mittelschule "Oswald von Wolkenstein" hier im Haus unterrichtet; das Bildungshaus bietet Kurse für alle Altersstufen an.

Diese Aufgaben konnten über die Jahrhunderte nur dank eines funktionierenden wirtschaftlichen Betriebes wahrgenommen werden.
Der Stifter Reginbert von Säben stattete die Neugründung großzügig mit Höfen und Grundstücken, darunter auch Weinbergen, aus. Zahlreiche andere Wohltäter folgten seinem Beispiel, sodass das Kloster schon bald über eine solide wirtschaftliche Basis verfügte. Bis zum heutigen Tag kommt dem Weinbau in Neustift eine besondere Bedeutung zu: An den geschützten Hängen rund um die Klosteranlage gedeihen die weißen Sorten, in der Nähe des Bozner Talkessels die roten. In der Stiftskellerei Neustift, eine der ältesten aktiven Weinkellereien der Welt, werden diese Trauben zu preisgekrönten Weiß- und Rotweinen gekeltert.

IMPRESSUM